Wenn ein Schädling in den letzten Jahren an Bekanntheit gewonnen hat, dann
ist es dieser länglich-ovale, ca. 10-12 mm große, schwarz-graue Käfer. Wo immer wir mit unseren
Infoständen waren - immer mehr Garten- oder Balkonbesitzer haben mit diesem Schädling zu tun. Die ersten
Zeichen eines Dickmaulrüsslerbefalls sind bereits im April sichtbar: U-förmige Fraßstellen an den
Blatträndern. Befallen werden immergrüne Gehölze wie Kirschlorbeer oder Buchsbaum aber auch
Moorbeetpflanzen (z. B. Rhododendron) und Rosen. Der Käfer ist flugunfähig und nachtaktiv.
Selbst über Winter hielten sich einige Tiere hartnäckig in den Winterquartieren von Kübelpflanzen
und sorgten dort für Schäden.
Die Larven verursachen den eigentlichen Schaden
Während die angefressenen Blätter für den Gartenfreund ein eher optisches Problem darstellt, können
die im Boden lebenden Larven die Pflanze durch ihre Fraßaktivität zum Absterben bringen. Die 8-10 mm
langen, elfenbeinfarbigen Larven mit ihrem braun-schwarzen Kopf, fressen ab Mai-Juni an den Wurzeln und Knollen
der Pflanzen. Die Folgen sind dann im Hochsommer sichtbar. Die befallenen Pflanzen werden welk. Durch die
abgenagten Wurzeln kann die Pflanze kaum noch Wasser und Nährstoffe aufnehmen. Gelangen durch die Fraßstellen
dann auch noch die im Boden reichlich vorhandenen Pilze und Bakterien ein, gibt es für viele Pflanzen keine
Rettung mehr.
Die Bekämpfung mit Heterorhabditis-Nematoden
Ging man Anfang des 19. Jahrhunderts in Englischen Gärtnereien noch nachts auf Käferjagd, konzentriert
sich die Bekämpfung heute auf die im Boden lebenden schädlichen Larven. Seit einigen Jahren wird dazu
ein natürlicher Gegenspieler eingesetzt: die Heterorhabditis-Nematoden. Der mikroskopisch winzige Wurm
dringt über Körperöffnungen in die Blutbahn der Dickmaulrüsslerlarve ein und gibt dort
Bakterien ab. Innerhalb weniger Tage verendet die Dickmaulrüsslerlarve an diesen Bakterien und dient
zugleich als Brutstätte für neue Nematoden.
Kinderleichte Bekämpfung der Larven
In Baumschulen ist diese für Menschen, Tiere und Pflanzen völlig ungefährliche Nematodenart
mittlerweile ein Standardbekämpfungsmittel gegen den Dickmaulrüssler. Auch der Hobbygärtner kann
ohne große Mühe den mikroskopisch kleinen Fadenwurm nutzen. Geliefert werden die gezüchteten
Nematoden in einem Tonpulver. Eine kleine Packung enthält 10 Millionen Tiere, ausreichend für 20 m² Fläche.
Für größere Flächen (100m²) gibt es Packungen mit 50 Mio. Tieren.
Das Pulver wird in Wasser aufgelöst, nach Bedarf verdünnt und anschließend einfach auf den Boden
unter den befallenen Pflanzen gegossen. Die Nematoden sind so klein, dass sie nicht sichtbar sind. Die Packungen
sind mit einem Mal aufzubrauchen, da die Nematoden nicht gleichmäßig im Substrat verteilt sind.
Sie brauchen reichlich Feuchtigkeit um in tiefere Bodenschichten zu gelangen, d.h. der Boden sollte beim
Ausbringen feucht sein und auch in den folgenden 2-3 Wochen nie austrocknen. Zuviel Feuchtigkeit ist aber auch
nicht gut, da die Tiere dann keinen Sauerstoff zum Atmen haben, also Staunässe vermeiden!
Die Ausbringung sollte nie bei direkter Sonneneinstrahlung erfolgen.
Erforderlich ist eine Bodentemperatur von mindestens 12°C. Das ist je nach Witterung Ende März/Anfang
April der Fall. Ein zu zeitiger Einsatz hat keinen Erfolg, weil zum einem die Nematoden bei zu kalten
Temperaturen inaktiv sind und zum anderem die Schädlinge in zu tiefen Bodenschichten und somit unerreichbar
für die Nützlinge sind.
Diese Frühjahrsbehandlung ist zeitlich begrenzt, da die Puppen aus dem letzten Jahr im Mai schlüpfen
und die diesjährigen Larven noch zu klein bzw. in tieferen Bodenschichten anzutreffen sind. Erst im Spätsommer
sind wieder Larven in für die Nematoden erreichbaren Bodenschichten und es kann eine Herbstbehandlung
durchgeführt werden. Es empfiehlt sich den Boden an den betroffenen Pflanzen anzuschauen. Denn nur, wenn
man dort auf Larven trifft, lohnt sich auch eine Behandlung. Die Käfer werden Sie den ganzen Sommer über
antreffen.
Rezept mit Langzeitwirkung?
Immer wieder werden wir gefragt, wie oft man solch eine Behandlung wiederholen muss. Generell ist im ersten
Behandlungsjahr eine Behandlung im Frühjahr und im Spätsommer notwendig. In letzter Zeit hat sich
immer wieder gezeigt, dass die Käfer sehr wanderfreudig sind. Wenn Sie also der oder die Einzige sind, die
die Käfer bekämpft, müssen Sie damit rechnen, dass immer wieder Käfer zuwandern und Sie mit
der Behandlung fortfahren müssen. Es gilt: solange Sie die Käfer oder die Fraßspuren der Käfer
sehen, müssen Sie auch damit rechnen, dass Eier abgelegt werden und die daraus schlüpfenden Larven an
dem Wurzeln Ihrer Pflanzen fressen.
Sprechen Sie doch mal mit Ihren Gartennachbarn über einen gemeinschaftlichen Nützlingseinsatz.
Was, wenn die Temperaturen noch zu gering sind?
Dickmaulrüsslernematoden brauchen am Tag für mindestens 4 Stunden eine Bodentemperatur von 12° C um
ihre volle Wirkung zu entfalten. Wird es kühler verlangsamen sich die Prozesse. Im Frühjahr und Herbst
schwanken die Temperaturen sehr stark. So liegen die Temperaturen im März/April und im Oktober oft weniger
als 4 Stunden am Tag über 12°C aber mehrere Stunden über 8°C. Ist dies der Fall und soll eine
Behandlung durchgeführt werden, kann der Einsatz des Nematodenmixes gegen Dickmaulrüssler sinnvoll
sein. Durch die weitere Nematodenart wird auch der Bereich der niedrigeren Temperaturen abgedeckt. Allerdings
ist zu beachten, dass der Wirkungsgrad des Mixes bei ca. 70% liegt, während reine Dickmaulrüsslernematoden
ca. 90% der Dickmaulrüsslerlarven abtöten.
Die Nematoden können Sie über unseren
Online-Shop beziehen.


Dickmaulrüssler ausgewachsen (li.) und Larve (re.); jeweils stark vergrößert